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Resozialisierung einmal anders - vom harten Burschen zum liebevollen Betreuer

Ein gewagtes Experiment wurde zum großen Erfolg. Häftlinge betreuen im Danziger Hospiz Sterbende. Zunächst wurden die Strafgefangenen in der Wäscherei eingestellt, weil sie billiger waren als andere Arbeitskräfte. Mehr und mehr zeigten sie Interesse an der Betreuung der Sterbenden. Auch die Patienten freundeten sich mit den Knackis an. Für die Kriminellen, die auch im Gefängnis immer nur den starken Mann darstellen, ist die Erfahrung mit Todkranken eine elementare Erfahrung. Die praktische Arbeit im Hospiz ist wirksamer als jede Resozialisierungsmaßnahme.

Im Hospiz tragen die Häftlinge das gelbe Hemd der ehrenamtlichen Helfer. Nichts unterscheidet sie von anderen Freiwilligen. Zuerst wurden die Gefangenen nur zum Putzen oder bei Renovierungsarbeiten eingesetzt. Keiner dachte daran, dass sie auch die Kranken pflegen könnten. "Alles fing damit an, dass ein Sträfling als Patient bei uns auf der Station lag", erzählt Schwester Elzbieta. "Die anderen Häftlinge kamen, wann immer sie Pause hatten und beschäftigten sich mit ihm. Da haben wir zum ersten Mal gemerkt, dass das nicht nur Straftäter sind, sondern auch normale Menschen, die Gefühle haben, und gerne den Schwachen helfen." Die Krankenschwestern haben sich längst an die Helfer aus dem Knast gewöhnt. Für die Häftlinge wiederum ist es eine vollkommen neue Erfahrung. Ihre Arbeit wird hier sehr geschätzt, sie werden mittlerweile mehr als nur respektiert.

"Diese Menschen waren im normalen Leben harte Burschen, denn ohne Grund kommen sie ja nicht ins Gefängnis. Wenn sie Kontakt mit den Kranken haben, die ein wirklich schweres Schicksal erleiden, werden sie weich, sie werden völlig anders", schildert Schwester Elzbieta ihre Erfahrungen. Die Probleme im Gefängnis werden plötzlich klein und unwichtig. "Hier haben wir Hoffnung, jeder weiß, wann er raus kommt", sagt der Häftling Jakub Sowa. "Dort haben die Leute keine Hoffnung, vielleicht die, die an Gott glauben. Im Hospiz sind Menschen, die wissen, das ist ihr letztes Haus." Die Sträflinge, die im Hospiz arbeiten, bekommen keinen Lohn. Das unterscheidet sie von Freigängern, die auf der Werft oder in der Fabrik arbeiten. Aber sie wissen, die Gefängnisverwaltung schätzt dieses Engagement. Die Arbeit im Hospiz ist eine der besten Voraussetzungen für eine vorzeitige Entlassung. "Sie kommen zu anderen Schlussfolgerungen durch die Arbeit", sagt der Aufseher Robert Witkowski. "Geld z.B. hat für sie nicht mehr die gleiche Bedeutung wie früher, es gibt Wichtigeres im Leben." Mit großem Engagement arbeiten die Freigänger des Danziger Gefängnisses inzwischen auch auf der Kinderstation des Hospizes.

Vielleicht braucht es etwas Mut, jedoch : mit all diesen Erfahrungen kann man sich nur wünschen, dass dieses Beispiel Schule macht. Sozial wie auch wirtschaftlich ist so eine Form der Resozialisierung ganz offenbar optimal funktionierend.

(Quelle : Weltspiegel Bayern / ARD)
26.02.07_-_straeflinge_als_hospizhelfer, Rev. 3, Zuletzt geändert 2007-05-17 22:47, 981 Aufrufe
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